Die Urwunde


Max ist drei und erklimmt mit Begeisterung die Strickleiter an der Ritterburg. Seine Mutter freut sich über seinen Mut und seine Ausdauer. Andreas will ihm nach, da ruft dessen Mutter: „Das schaffst Du nicht! Lass es bleiben!!“ Er hält an und macht kehrt.

Für was hält sich Andreas? Für einen Versager?

Die Urwunde ist eine Verletzung aus der Kindheit, die Psychologie nennt das gerne auch: „Die Vertreibung aus dem Paradies“. Meist werden wir von einem geliebten Menschen abgelehnt, kritisiert, gedemütigt sogar missbraucht. Das fordert für den kindlichen Geist eine Erklärung: „Warum ich? Was ist mit mir, dass man mich so behandelt?“ Die Erklärungen sind einfach: „Ich bin nicht gut genug, ich bin falsch, ich bin nichts wert, ich bin eine Versagerin!“

Und diese Erklärung wird im Laufe unseres Lebens zu einer tiefen unumstößlichen Wahrheit, die es zu verstecken gilt.